zurück zur Brustschilde HomePage

in Kurzform einiges Wissenswertes zu Brustschilde-Marken .....


Informatives zu den Brustschilde-Ausgaben

folgende Themen werden auf dieser Seite beschrieben


{short description of image} Der Übergang vom Norddeutschen Bund zum Deutschen Kaiserreich
{short description of image} Übergang Norddeutsche Bundespost - Kaiserlich Deutsche Reichspost
{short description of image} Hamburger Stadtpostmarke als besondere Reichspostmarkenausgabe
{short description of image} Erste Freimarkenausgabe der Deutschen Reichspost: "Brustschilde"


Der Übergang vom Norddeutschen Bund zum Deutschen Kaiserreich

Mit dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 begann eine neue Epoche in der deutschen Geschichte. Eigentlich handelte es sich dabei um einen preußisch-französischen Konflikt, in den die anderen deutschen Staaten durch das Bündnis mit Preußen hineingezogen wurden. In diesem Krieg kämpften die verschiedenen deutschen Truppen erstmalig unter einem gemeinsamen ( preußischen ) Oberbefehl. Nach den vernichtenden Niederlagen der französischen Armeen bei Metz bzw. Sedan und der Gefangennahme des französischen Kaisers Napoléon III. wurde am 18. Januar 1871 in Versailles das "Deutsche Kaiserreich" proklamiert. Bereits im Herbst 1870 verhandelten die Abgesandten der deutschen Staaten intensiv über die Gründung eines neuen zweiten Deutschen Bundes zum 1. Januar 1871. Die getroffenen Abkommen zwischen dem Norddeutschen Bund, Baden, Hessen, Bayern und Württemberg werden als die "November-Verträge" bezeichnet. Die aufkommende Euphorie in Deutschland führte schließlich dazu, daß im Dezember 1870 der Bundestag in Berlin den zu gründenden Deutschen Bund in das Deutsche Reich umbenannten. So existierte ab dem 1. Januar 1871 der Bundesstaat Deutsches Reich. Deutscher Kaiser wurde der preußische König Wilhelm I. Die Verfassung des Norddeutschen Bundes aus dem Jahre 1867 und die Novemberverträge aus dem Jahre 1870 bildeten zunächst die provisorische Reichsverfassung, in Kraft ab 1. Januar 1871. Das Reich erhielt endgültig seine rechtliche Grundlage durch die überarbeitete Reichsverfassung vom 16. April 1871 ( am 20. April 1871 im Amtsblatt verkündet ). Diese trat am 4. Mai 1871 in Kraft.

Die Deutsche Reichspost nahm als Nachfolge-Organisation der Norddeutschen Bundespost im Mai 1871 gemäß Ab- schnitt VIII §48 der Verfassung des Deutschen Reiches ihren Betrieb auf, obwohl das Reich schon ab 1. Januar 1871 existierte. Die Post- und Telegraphenverwaltung unterstand als Reichsbehörde direkt dem Amt des Reichskanzlers. Die Umbenennung des Bundeskanzleramtes ( des Norddeutschen Bundes ) in das Reichskanzleramt ( des Deutschen Reiches ) erfolgte erst am 12. Mai 1871. Ungeachtet vom Dienstbeginn der Reichspost mußte auch das Gesetz über das Postwesen überarbeitet werden. Der Bundestag in Berlin verabschiedete das neue Gesetz über das Postwesen des Deutschen Reiches jedoch erst nach mehreren Lesungen am 28. Oktober 1871, welches dann am 1. Januar 1872 Gültigkeit erhielt. Das deutsche Reichspostgebiet entsprach zunächst dem Postgebiet des Norddeutschen Bundes. Erst zum 1. 1. 1872 trat das Großherzogtum Baden dem Reichspostgebiet bei und hob damit die eigene Posthoheit auf, obwohl Baden schon seit Januar 1871 dem Deutschen Reich angehörte. Ebenfalls am 1. Januar 1872 wurden die annektierten Gebiete Elsaß und Deutsch-Lothringen als "Reichsland" dem Reichspostgebiet angegliedert.

Übergang Norddeutsche Bundespost - Kaiserlich Deutsche Reichspost

Eine der überstaatlichen Funktionen des Norddeutschen Staatenbundes war das Postwesen. In der Philatelie wird dies als der Norddeutsche Postbezirk bezeichnet. Aus dieser Institution "Norddeutsche Bundespost" entstand nach der Reichsgründung die "Deutsche Reichspost". Durch die deutsche Reichsverfassung erhielt das Reich gemäß Absatz VIII Artikel 48 die unmittelbare Posthoheit mit Ausnahme von Bayern und Württemberg. Der Übergang aller Staatsaufgaben erfolgte jedoch kontinuierlich, so daß eine exakte Datumsangabe für den Übergang des Postwesens, der im Mai 1871 erfolgte, willkürlich und künstlich erscheint. Üblicherweise wird der 4. Mai 1871 ( also das Inkrafttreten der revidierten Reichsverfassung ) als der Dienstbeginn der Deutschen Reichspost bezeichnet. Am 12. Mai wurde das Bundeskanzleramt in das Reichskanzleramt umbenannt. Da die Post- und Telegraphenverwaltung diesem Amte unterstand, kann man von der Reichspostverwaltung eigentlich erst am diesem Datum sprechen. Das erste Amtsblatt der Reichspostverwaltung wurde am 12. Juni 1871 ausgegeben.

Die ersten von der Reichspost herausgegebenen "Reichsmarken", die sogenannten Brustschildausgaben, erschienen jedoch erst im Dezember 1871 und wurden am 1. Januar 1872 frankaturgültig. Bis dahin wurden die Postwertzeichen des Norddeutschen Postbezirkes weiter verwendet. Mit Stempeldaten zwischen Mai und Dezember 1871 sind diese Marken als Postwertzeichen der Deutschen Reichspost anzusehen. Dazu zählen die durchstochene und gezähnte Freimarkenausgabe, sowie die Dienstmarkenausgabe des Norddeutschen Bundes. Der 31. Dezember 1871 stellt gleichzeitig den letzten Verwendungstag der Markenausgaben des Norddeutschen Bundes im Reichspostgebiet dar.

Hamburger Stadtpostmarke als besondere Reichspostmarkenausgabe

Im Gegensatz zu den Freimarkenausgaben der Postverwaltungen des Norddeutschen Bundes und des Groß- herzogtums Baden blieb die von der Norddeutschen Bundespost ausgegebene Stadtpostmarke für Hamburg zum Nennwert 1/2 Schilling (=0,45 Groschen ) am 1. Januar 1872 weiterhin frankaturgültig. Dies lag daran, daß die Deutsche Reichspost einerseits für diese Wertstufe keine eigene Marke herausgeben wollte, andererseits in Hamburg keine Portoerhöhung für Ortsbriefe durchführen durfte. Es wurden also nicht nur die vorhandenen Bestände aufge- braucht, sondern die Staatdruckerei in Berlin druckte bis Ende 1874 neben die Brustschildmarken auch die Stadt- postmarke zu 1/2 Schilling. Diese Marke stellt eine besondere Ausgabe der Deutschen Reichspost für Hamburg dar.

Erste Freimarkenausgabe der Deutschen Reichspost: "Brustschilde"

Am 27. April 1871 erließ Kaiser Wilhelm I. eine Kabinettsorder, daß für die geplante erste Freimarkenausgabe der neuen Reichspost "als Enblem der einköpfige, rechtssehende, gekrönte Reichsadler und auf dessen Brustschild der preußische Adler in Anwendung gebracht werde". Diese Order enthielt keine näheren Angaben über Form und Art des Adlers, da die Gestaltung des Wappentieres "bis auf weiteren Befehl" den Künstlern der Staatsdruckerei überlassen wurde. Die Freimarken sollten zum 1. Januar 1872 an die Postschalter gelangen und zur Frankatur verwendet werden. Die Entwürfe dieser Künstler, als Federzeichnungen und als Bleistiftskizzen vorgelegt, wurden durch photo- graphische Reproduktionen in Markengröße abgebildet und am 27. Juni 1871 Kaiser Wilhelm zur Begutachtung vorgelegt. Die Prägung zeigte den oben beschriebenen Reichsadler mit kleinem Brustschild und der sogenannten Aachener Krone Karls des Großen, in Anlehnung an das Gemälde A. Dürers aus dem Jahre 1510. Die schlanken Flügel waren nur leicht gespreizt. Beratende Heraldiker und Historiker meldeten jedoch Einwände an, die dann zu mehreren Korrekturen auf "allerhöchsten Befehl" ( 3. August 1871 ) führten.

Die Aachener Krone wurde abgeändert und mit Reichsapfel und Kreuz, sowie mit zwei flatternden Bändern versehen. Der Reichsadlers unterscheidet sich von seinem Vorgänger durch die aufrechte, protzige Haltung mit einem aufwärts gesträubten Gefieder. Der Preußische Adler auf dem Brustschild wurde durch das Hohenzollern- wappen ersetzt, um damit zu betonen, daß nicht das Königreich Preußen, sondern das Haus Hohenzollern das Deutsche Reich regierte. Das dadurch deutlich vergrößerte Brustschild wurde nun noch mit der Kette und dem Orden des "Schwarzen Adlers" versehen. Diese neue Order konnte aber in der Staatdruckerei nicht mehr für die erste Ausgabe berücksichtigt werden, da die Prägestempel mit dem provisorischen Adler schon hergestellt worden waren und die Druckerei in dieser Zeit mit anderen Arbeiten überlastet war. Der Ausgabetermin sollte aber auf keinen Fall über den 1. Januar 1872 hinaus verschoben werden. Ursprünglich war sogar der 1. Oktober 1871 ins Auge gefaßt worden. Um den Einführungstermin zum 1. Januar 1871 nicht zu gefährden, verfügte Wilhelm I., die vorbereitete Ausgabe mit dem kleinen Brustschild termingerecht in den postalischen Verkehr zu bringen. Erst nach Aufbrauch aller Bestände an Marken mit kleinem Brustschild sollte die Freimarkenausgabe mit dem endgültigen Reichsadler ( mit großem Brustschild ) an die Postschalter gelangen.


admin@brustschilde.de